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Die Proteste der spanischen Indignados... und ihre Analyse mittels einer erweiterten Hegemonietheorie

Eine Diskursanalyse der Proteste der spanischen indignados (Empörte) im Frühling 2011. Darin wird eine erste Stichprobe der praxeologischen Diskursanalyse gegeben, die ich derzeit entwickle.
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  Inhalt Einleitung Judith Vey, Ingmar Hagemann und Johanna Leinius  ����������������������������������������������� 9 Poststrukturalistische Perspektiven auf soziale Bewegungen Grundzüge einer Forschungsperspektive Ingmar Hagemann, Johanna Leinius und Judith Vey   ���������������������������������������������� 17 Diskurse und Deutungskämpfe Subjektivierung und staatliches Wissen Zur Konstruktion sozialer Bewegungen im Schulbuch Marlon Barbehön und Alexander Wohnig ���������������������������������������������������������� 38 Macht und Selektivität in diskursiven Feldern Die Cultural Political Economy als Ansatz zur Herrschaftsanalyse von Deutungskämpfen um die Bearbeitung der Klimakrise Mathias Krams  ����������������������������������������������������������������������������������������� 54 Diskurse, Konflikte und Macht Eine Foucault’sche Perspektive auf Deutungskämpfe in sozialen Bewegungen Hans Jonas Gunzelmann  ������������������������������������������������������������������������������ 70 Die Proteste der spanischen Indignados … und ihre Analyse mittels einer erweiterten Hegemonietheorie Conrad Lluis Martell   ����������������������������������������������������������������������������������� 88  Diskursanalyse der spanischen Protestbewegung Indignados Kernidee und Perspektive des Ansatzes Der Ausgangspunkt dieser Analyse ist die Hegemonietheorie von Ernesto Laclau und Chantal Mouf-fe� Ihr Ansatz wirft eine umfassende Perspektive auf politische Prozesse� Meine Analyse zeigt auf, wie sich der Diskursbegriff Laclaus und Mouffes, der Zeichen wie Praktiken umfasst, forschungs-praktisch einlösen lässt� Dies verschiebt insofern die Perspektive auf soziale Bewegungen, als sowohl zentrale Forderungen und Identitätskonstruktionen in den Fokus rücken als auch klein-maschigere Praktiken und Organisationsprozesse� Auf diese Weise werden die Dynamiken und Auswirkungen von Protestprozessen differenziert aufgeschlüsselt� Zentrale theoretische Grundlagen/Arbeiten Besonders inspirierend sind die Arbeiten Michel Foucaults� Seine heterodoxe Forschungspraxis, die sich weniger um begriiche Reinheit, als vielmehr um detaillierte Rekonstruktion bemüht, gilt mir als Vorbild dafür, in welchem Geiste die Diskursanalyse verfahren müsste� Andererseits habe ich viel von der spanischen Bewegungsforschung gelernt� Dort werden poststrukturalistische An-sätze meist nicht, wie im deutschsprachigen Raum der Fall, als abstrakte Theoriegebäude gelesen, sondern von Anbeginn auf konkrete politische und kulturelle Phänomene bezogen� Diese konkrete Leseart wird auch und gerade dem Anspruch der Hegemonietheorie Ernesto Laclaus und Chantal Mouffes gerechter als eine bloß theoretische Rezeption, versteht sie doch ihren Ansatz als politi-sche Analyse� Anwendung: Methoden Es wird eine poststrukturalistische Diskursanalyse im Anschluss an Ernesto Laclau und Chantal Mouffe angewandt� Im ersten Analyseschritt wende ich ihre Schlüsselkategorien (Antagonismus, Hegemonie und Artikulation) eher deduktiv auf das Material an� Ergänzend dazu zeige ich im zwei-ten Schritt, dass sich mit diesem Ansatz aber auch induktiv arbeiten lässt – wobei dann Laclaus und Mouffes Ansatz durch neue Konzepte zu ergänzen wären� Anwendung: Fallbeispiel Das dargestellte Fallbeispiel ist die Protestbewegung der spanischen Indignados � Sie formierte sich im Mai 2011 und setzte einen einussreichen Protestzyklus in Gang. Die Proteste der Indigna-dos  hinterließen vielseitige Folgen in Spaniens Politik und Gesellschaft� Anwendung: Beispiele Eine schöne, sehr präzise und linguistisch informierte Diskursanalyse mit Laclau und Mouffe ndet sich bei: Hildebrand, Marius (2013): »Rechtspopulismus und Hegemonie� Der Aufstieg der SVP und die diskursive Transformation der politischen Schweiz«, Bielefeld: transcript�Weiterhin hat mich gerade die jüngste Arbeit von Judith Butler (2018): »Anmerkungen zu einer performativen Theorie der Versammlung«, Berlin: Suhrkamp, dazu inspiriert, neben dem Fokus auf politische Makroprozesse auch die kleinmaschigen Dynamiken von körperlich geprägten Ver-sammlungen zu rekonstruieren�  Die Proteste der spanischen Indignados … und ihre Analyse mittels einer erweiterten Hegemonietheorie Conrad Lluis Martell  1. Einleitung »Bis 2011 war ich unpolitisch. Mit meinen kritischen Ansichten war ich bis dahin alleine geblieben. Die Proteste im Mai 2011 kamen für mich einem kollektiven Er - wachen gleich. Endlich konnte ich meine Wut mit anderen teilen. Ich gewann da - mals den Eindruck, dass wir alles verändern könnten.« (Laura, Teilnehmerin an den Protesten in Spanien von 2011) Spanien im Mai 2011. Für Politik, Medien und einen Großteil der Gesellschat überwiegend unerwartet besetzen tausende Menschen die zentralen Plätze des Landes. Zu einem besonderen Zulauf kam es bei der Puerta del Sol  in Madrid und der Plaça Catalunya  in Barcelona. Der Protest auf den Plätzen war vielstimmig. Es el schwer, ihn auf eine kohärente Ideologie zurückzuführen oder als eine klar identizierbare Bewegung zu begreifen. »Sie repräsentieren uns nicht! Es ist kei - ne Krise, es ist ein Betrug!« – der Ärger über die politische wie wirtschatliche Malaise gibt den Protestierenden ihren Namen, sie gelten als Indignados  (Em - pörte). Die Proteste waren enorm folgenreich für Spanien, setzten sie doch von 2011 bis 2014 einen mächtigen Protestzyklus in Gang und führten zur Gründung neuer, mehrheitsfähiger Parteien wie Podemos  (zu Deutsch: »Wir können«). Die Proteste von Mai 2011 dürten politisch wie kulturell für Spanien ähnliches be - deutet haben wie das Ereignis »Mai 1968« für Frankreich oder Deutschland (als Überblick: Rodríguez 2016). Viele Teilnehmerinnen und Beobachter   nahmen die Proteste von Mai 2011 als politischen Wendepunkt wahr,   als Infragestellung der Grundkonsense, die Spanien seit dem Ende der Franco-Diktatur (1939-1975) ge -  Aus Gründen der Lesbarkeit gebrauche ich abwechselnd die männliche und die weibliche Form.  Nach einer repräsentativen Umfrage des öfentlichen Meinungsforschungsinstituts CIS sympa - thisierten im Juni 2011 rund 70 Prozent der Befragten mit den Zielen der Empörten. Metroscopia, ein weiteres renommiertes Meinungsforschungsinstitut, ermittelte im Rahmen einer zeitgleich  Conrad Lluis Martell90 kennzeichnet hatten: von der konstitutionellen Monarchie über die liberale Wirt - schatsordnung, dem Zwei-Parteien-System hin zu einem nur schwach ausge - bauten Sozialstaat. In diesem Artikel gilt meine Aufmerksamkeit den Monaten Mai und Juni 2011, als die Empörtenproteste ausbrachen. Für deren Untersuchung  wähle ich eine Diskursanalyse, die sich an die Hegemonietheorie Ernesto Laclaus und Chantal Moufes anlehnt und sie erweitert. Im Kern geht es darum, ein Stück  weit das Versprechen Laclaus und Moufes einzulösen, Diskurstheorie als Gesell - schatstheorie zu entwerfen (vgl. Laclau 1990: 89-91). Der holistische Diskursbe - grif der Hegemonietheorie, der Zeichen wie Praktiken umfasst, muss nicht nur  grundlagentheoretisch  postuliert werden – wie dies Laclau und Moufe (vgl. 2001: 109) tun –, er lässt sich auch  forschungspraktisch  einlösen. Gemeinhin konzentrie - ren sich politische Diskursanalysen durch den Rückgrif auf Manifeste, Reden und Presseerklärungen auf die »öfentliche« Seite des Diskurses. Seine »wilde« Hinterbühne, die ot nur schwer entwirrbare Gemengelage von Meinungen, Prak - tiken und Ereignissen, wird dabei ot übersehen. Dieser Rückseite des Diskurses nähere ich mich über die Verlaufsprotokolle der Versammlungen, welche die Ak - tivistinnen anfertigten. Ich gehe in vier Schritten vor. Erstens stelle ich den Dis - kursbegrif Laclaus und Moufes vor und umreiße ihre drei Schlüsselkonzepte  Antagonismus, Hegemonie und Artikulation. Im zweiten Schritt tätige ich eine exemplarische Analyse eines wichtigen Forderungskatalogs der Indignados  – und zwar mit einer Hegemonieanalyse, wie sie klassischerweise angewendet wird. Diese Herangehensweise ergänze ich, drittens, mit einer Auswertung der Ver - laufsprotokolle der Versammlungen der Indignados . Damit rücken jene Elemente des Diskurses in den Fokus, die sonst tendenziell unterbelichtet bleiben. Viertens folgt eine konzeptuelle Rekapitulation des vorgestellten Ansatzes. 2. Forschungsansatz Infolge der linguistischen Wende lesen Laclau und Moufe soziale Prozesse als immanent symbolische Prozesse. Das Soziale ist für sie diskursiv verfasst (vgl. Laclau/Moufe 2001: 106f). In Anlehnung an den Begrif des Sprachspiels von Ludwig Wittgenstein argumentieren Laclau und Moufe, dass unter der Kate - gorie des Diskurses drei Dimensionen zu subsumieren seien, die meist getrennt bleiben: Erstens die Ebene der Zeichen , zweitens die der Praktiken , drittens jene der Materialisierung , die Artefakte wie Körper umfasst. Versammlungen von Ak - tivistinnen, wie sie in diesem Aufsatz im Zentrum stehen, legen exemplarisch die drei Seiten des Diskurses ofen. (1) Die Ebene der Zeichen ist die Debatte an sich, durchgeführten Erhebung sogar einen Zustimmungswert von 80 Prozent der Befragten für die Ursachen und Forderungen dieser Protestbewegung.
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